Über den Verein:

Rückblick über die Gründung und Bestehenszeit des Theater- und Kulturvereins Bundschuh e.V. Untergrombach

Von unserem Gründer und Ehrenvorsitzenden Peter Kaiser

In den Jahren 1987/88 hatte ich die Idee und reifte in mir auch der Entschluss, an eine der bedeutendsten Personen der deutschen Geschichte, den vor ca. 500 Jahren lebenden Untergrombacher Bauernsohn Joß Fritz zu erinnern und ihn mit einem Theaterstück zu ehren.

Ich verfasste ein solches und suchte handverlesen die ca. 100 Mitwirkenden aus. Nachdem dies gelungen war, musste ich an die Finanzierung dieses gewaltigen Unterfangens denken, schließlich mussten Requisiten, Kostüme, Kulissen beschafft werden. Der mir freundschaftlich verbundene damalige Intendant der Bad. Landesbühne, Dr. Rolf Parchwitz erklärte mich schlichtweg für verrückt, als ich ihm meine Pläne schilderte und ihn auch um logische Hilfe (die er mir zu keiner Zeit versagte – die Beziehungen zur BLB sind heute noch bestens) bat. Doch wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg! Nicht zuletzt mit Hilfe vielfältiger persönlicher Beziehungen nahm das Vorhaben recht zügig Gestalt an. Die Notwendigkeit an Spendengelder zu kommen machte die Gründung eines gemeinnützigen Vereins erforderlich. Dies geschah am 21.2.1989. Zusammen mit 15 Getreuen gründete ich den Theater- und Kulturverein Bundschuh und wurde zum 1.Vorsitzenden gewählt.

Eine unserer allerersten nach außen gerichteten Aktivitäten war die Beteiligung am historischen Umzug in Freiburg-Lehen am 11. Juni 1989. Bereits eine Woche später erfolgte unser erster großer Auftritt mit dem Freilichtspiel „Joß Fritz – Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes". Zu diesem Zweck hatten wir den Hartplatz neben der Schulturnhalle als Spielgelände mit großer Tribüne eingerichtet und mit entsprechenden Kulissen in gewaltiger Anstrengung einen Bischofssitz, eine Burg und ein Dorf aufgebaut. Die drei Aufführungen am 16., 17. und 18. Juni gerieten zu einem Riesenerfolg mit weit reichendem und lang anhaltendem Echo. Im Rahmen der Baden-Württembergischen Heimattage führten wir am 6. – 9. September 1990 das Stück mit wiederum großem Erfolg in der Melanchthonstadt Bretten auf und glänzten damit auch als Abschlussveranstaltung der Landesgartenschau in Pforzheim im September 1992. Unser Kinder- und Jugendtheater brachte im Januar 1991 mit ebenfalls großem Erfolg das Märchen „Der Wolkenstein" von Johanna Schmitt auf die Bühne und im Februar 1991 konnten wir unsere Vereinskasse mit einem Live-Auftritt beim Buchstaben-Puzzle im Fernsehen aufbessern. Überhaupt hatte es das Jahr 1991 in sich: Neben den bereits aufgezählten Aktivitäten führten wir im Bruchsaler Schlosshof anlässlich der Barocktage am 8. September die Barockkomödie „Peter Squenz" auf, beteiligten uns beim Joß-Fritz-Fest und beim historischen Umzug in Weingarten. Darüber hinaus schufteten wir für den Ausbau unseres Vereinsraums im Anwesen „Firstsäulenständerhaus". Antike, hand gestrichene Ziegel deckten wir zu diesem Zweck von einer großen Scheune in Ittersbach ab und verbrachten diese nach Untergrombach, um damit die Scheune des Firstsäulenständerhauses zu decken. Ebenso konnten antike Sandsteinplatten besorgt und in unserem Vereinsraum verlegt werden. Zusammen mit der Restaurierung der Natursteinwände und dem Aufbau der Decke waren dies für die wahrlich nicht vielen Helfer große Anstrengungen und viele Arbeitsstunden, die bis in den Herbst 1992 andauerten.

Am 13.2.1990 regte der Theater- und Kulturverein beim Ortschaftsrat Untergrombach an, der (bis heute noch) namenlosen Mehrzweckhalle den Namen „Bundschuhhalle" in Erinnerung an die von Joß Fritz inspirierte und geführte Freiheitsbewegung zu geben. Der gut gemeinte Vorschlag wurde wider alle Vernunft und gegen besseres Wissen von der CDU und den freien Wählern abgeschmettert. Kleinkarierte parteipolitische Grabenkämpfe und persönliche Animositäten führten (und führen bis heute) dazu, dass das großartige von aller Welt anerkannte Erbe, dieses als Säule der modernen demokratischen Gesellschaft geltenden Freiheitskampfes, im Heimatort des Bundschuhführers keinen Platz hat.

Unverständnis, Resignation und Frust über diese Uneinsichtigkeit führten dazu, dass der TKV Bundschuh nach außen gerichtete Aktivitäten weitgehend einstellte. Der Verein verfiel in einen Dornröschenschlaf, bis ich Ende 1999 „läuten hörte", die Stadt Bruchsal plane für das Jahr 2001 ein großen historischen Umzug – „500 Jahre Bundschuh unter Joß Fritz" – und für 2002 umfangreiche Feierlichkeiten, wissenschaftliche Symposien, einen Festakt und auch ein Theaterstück zu diesem Thema. Das rief mich prompt auf den Plan und ich machte den zuständigen Verantwortlichen klar, dass eine Theatervorstellung über Joß Fritz und den Bundschuh ausschließlich Sache des Theater- und Kulturvereins Bundschuh ist und wir in jedem Fall diesen Part übernehmen werden. Am 29.3.2000 wurde mit den alten Getreuen wieder eine Mitgliederversammlung abgehalten. Alle waren Feuer und Flamme und umgehend wurden die Arbeiten am Vereinsheim wieder aufgenommen und Vorbereitungen für das Freilichtspiel sowie den historischen Umzug getroffen. Bei dem von mir organisierten Umzug im Juni 2001 stellten wir die mit Abstand größte und aktivste Gruppe. Darüber hinaus konnten wir rechtzeitig zur „Kerwe" einer erstaunten und zahlreichen Öffentlichkeit unseren fertig gestellten Vereinsraum präsentieren. Im Jahr 2002 lieferten wir einen großen Teil zum Bundschuh-Festakt in der Mehrzweckhalle und schließlich führten wir am 15. – 17.6. das szenisch mit „Lehener Beteiligung" erweiterte Freilichtspiel auf. Dreimal hatten wir „vollbesetztes Haus" und ein restlos begeistertes Publikum. Zu einem grandiosen Erlebnis gestaltete sich die Aufführung von Joß Fritz im Juni 2003 in Freiburg-Lehen auf dem Bundschuhplatz vor der Bundschuhhalle. Mit unserer Freiburger „Unterabteilung" unter Bernhard Schätzle hatten wir dort ganze und von der lokalen, bekanntermaßen kritischen Freiburger Presse, in höchsten Tönen gelobte Arbeit geleistet. Im Jahr 2004 stand unsere Beteiligung am Regionaltag der Technologieregion Karlsruhe mit offizieller Einweihung der neu gestalteten Freilichtarena im Mittelpunkt.

v pix 2Vom Oktober 2001 bis Herbst 2004 hatten wir zum Teil unter Aufbietung übermenschlicher Kräfte im rückwärtigen, total verwahrlosten Außenbereich des Firstsäulenständerhauses in mehr als 10.000 (i.W. zehntausend) Arbeitsstunden mit Sanierung der Giebelwand, Natursteinmauern, Treppenanlagen, einem Anbau zum Vereinsheim mit Toilette und Garderobe, freigelegtem restauriertem Gewölbekeller und einem Amphitheater ein wahres Juwel geschaffen. Das weithin Erstaunen und Anerkennung hervorruft. Zu unermüdlicher Arbeit waren hierfür auch viele Bar- und Sachspenden erforderlich, für deren „Auftun" sich immer wieder persönliche Verbindungen und Freundschaften als sehr nützlich erwiesen.

Die erste Hälfte des Jahres 2005 diente der verdienten Regeneration, in der zweiten wurden die ab Januar 2006 mit großem Erfolg aufgeführten Produktionen „Der gestiefelte Kater" und „Erwe will glernt sei" vorbereitet und geprobt. Im Mai 2006 wurde Peter Sterzenbach zum 1. Vorsitzenden gewählt und führt nun den Verein weiter. Im Sommer 2007 und Februar 2008 konnten wir mit der Aufführung des Märchens „Aschenputtel" an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen und sind im Moment bei der Vorbereitung der Komödie „Die Hochmütigen", welche im Juli und August aufgeführt wird.

Eine feste Größe in unserem Vereinsgeschehen stellten in den vergangenen Jahren stets auch Umzugsbeteiligungen (Lehen, Weingarten, Speyer, Rauenberg, Bruchsal, Ste. Marie aux Mines, Marxzell-Schielberg) sowie die Durchführung des Martinsspiels dar, das mittlerweile neben den Kindern Hunderte von erwachsenen Besuchern anlockt.

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